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Videospiel-Review # 4 - Black & White (oder: Glaubt niemals den Hypes!)

[ACHTUNG! ENTHÄLT SPOILER!]

Videospiel-Review # 4 - Black & White

Hypes sind eine Sache für sich. Egal um was es geht, ob nun Bücher, Filme oder Spiele, nur höchst selten ist die künstlich erzeugte Hysterie überhaupt die Sache wert. Ein sehr deutliches Beispiel dafür ist das Spiel "Black & White", das im Jahr 2001 herauskam und schon im Voraus reihenweise Spielefreaks zum kollektiven Orgasmus brachte. Wie bei gehypten Spielen so üblich erhielt das Spiel, was dann auch zum unüberlegten Kauf vieler führte, reihenweise gute (unberechtigte) Kritiken diverser Zeitschriften, was den Stein bzw. den Gang zum Spiele-Händler des Vertrauens dann endgültig ins Rollen brachte.

Aber kommen wir zunächst zum Spiel selbst. Ähnlich des Spiels "Popolus" (selber Entwickler - mag ich übrigens sehr gerne) spielen wir hier Gott. Nicht Sims-Gott, sondern Gott über ganze Völker, Landstriche, im idealsten Fall sogar der Welt! Wir haben in der Hand, was wir aus unserem göttlichen Status machen, ob wir nun unsere Gläubigen hätscheln und tätscheln oder sie mit Plagen strafen und für uns knechten lassen. Besser noch: Auch Götter lieben Haustiere und so dürfen wir selbst ein Vieh halten, das zum wahren Giganten heranwächst und alles mögliche von uns lernen kann. Das klingt so gesehen schon mal enorm spannend, nicht? Wer möchte nicht mal gerne den Rachegott raushängen lassen und einen fiesen Tiger erziehen? Nun, das Spiel beginnt mit einer Filmsequenz, die nicht übersprungen werden kann. Das ist schon mal etwas, was ich absolut verabscheue. Wir sehen ERSCHRECKEND miserabel animierte Menschen (mich graut es fast, diese Teile als Menschen zu bezeichnen). Ein Kind ertrinkt und seine Eltern bitten, vor lauter Angst, ihr Gott hätte gerade Mittagspause oder wär auf dem Klo, einfach mal allgemein ins Universum heraus, ob irgendein Gott ihr Blag retten kann (Nichtschwimmer?). Wir, der Gott, der durch das Gebet zweier Deppen entstanden ist - fängt ja toll an - düsen als Lichtkugel gen Erde, formen uns zu einer Hand und ziehen das dumme Kind aus dem Wasser. Von diesem Zeitpunkt an versprechen uns die Eltern, uns anzubeten und das all ihren Nachbarn zu erzählen.

Also ich weiß nicht, wenn ich ein Gott wäre, würde ich mir...klügere Anhänger wünschen. Aber egal, für den Falle dass wir zum fiesen, miesen Gott werden, können wir sie für ihre Blödheit strafen. Behalten wir uns das im Hinterkopf. Fortan beginnt ein sehr, sehr langes Tutorial, das uns die komplizierte, aber nach gewisser Eingewöhnung durchaus machbare Steuerung erklärt. Irgendwann taucht dann noch unser Gewissen auf, ein stereotyper, bärtiger Opa auf ner Wolke und ein nicht minder stereotyper Teufel. Wenigstens ist der Teufel ab und zu witzig...nachdem unser Tempel erbaut ist und wir uns langsam fragen, wo unser Vieh ist, dürfen wir uns für eine weitere, erschreckend schlecht animierte Frau (die Füße sehen aus, als hätten alle Blutstau und Wasser in den Beinen zur gleichen Zeit) auf die Suche nach drei Steinen machen, um ein Tor zu öffnen (keine Ahnung, was der Unsinn soll, wofür bin ich denn nun eine schwebende Hand?). Nachdem diese endlich gefunden sind ist es soweit - wir dürfen unser Tier auswählen (Anmerkung: Man kann sein Tier später durch ein anderes ersetzen). Leider ist die Auswahl an Tieren für den Einstieg wirklich mäßig! Man merkt richtig, wie man sich ein "Wow" erzwingen muss, weil die Auswahl gleichzeitig uninspiriert wie vorhersehbar ist. Wir haben zur Auswahl: Einen Tiger, einen Affen und eine Kuh.

Nun, ich versuche jetzt mal aus dem Stehgreif eine Auswahl zusammen zu stellen, die besser gewesen wäre: Den Tiger lassen oder durch irgendein anderes Raubtier ersetzen, den Affen durch irgendein unerwartetes Tier, vielleicht eine Echse, ein Krokodil zum Beispiel, vielleicht auch ein Nashorn oder irgendetwas anderes Beeindruckendes ersetzen und die Kuh durch ein Pferd, denn nichts wünschen sich Mädchen mehr als ein Pferd, und sie wollen nicht darauf warten. Dieses verdammte Pferd wird, wenn man es zum Guten erzieht, zu einem verdammten Einhorn und das ist es doch, was kleine Mädchen wollen! Kühe sind auch tolle Tiere, keine Frage, aber kleine Mädchen interessiert das nicht. Kleine Mädchen wollen Einhörner und keine Bauernhoftiere, basta, Ende. (Hey, habt Verständnis, ich war gerade mal 13)

Die Auswahl des Tieres hat ENORME Auswirkungen darauf, wie es sich später macht. Der Tiger ist zwar stark, dafür dumm wie ein Mikrowellenessen und eigentlich unbrauchbar - dabei sind Tiger nun wirklich intelligente Tiere, aber egal. Der Affe ist nicht sehr stark, dafür, natürlich, schlau und lernt schnell, weshalb man sich selbst einen Gefallen tut, dieses hässliche Vieh zu wählen. Die Kuh ist ein Mittelding aus beiden, aber ich hab die Erfahrung gemacht, dass die Kuh irgendwann nicht mehr hört und macht was sie will.

Wir wählen also, weil wir keine Masochisten sind, den Affen. Warum es klug ist, ihn zu wählen, darauf komm ich noch zurück. Nun geht es weiter zum Tier-Tutorial (uff), das sehr langwierig ist und uns (fast) sämtliche Aspekte der Tiererziehung erklärt. Das Tier hat natürlich sämtliche Grundbedürfnisse. Man kann es dazu erziehen, sich nur von Getreide zu ernähren (was manchmal zu Kotzanfällen führt, aber es ist die "einfachste" Methode), oder man lässt es Kühe, Fische, Schafe, etc. oder sogar Menschen fressen. Wenn man ein böses Tier will, gibt man ihm natürlich Menschen. Muhahaha! Schlafen muss das Vieh auch, und das am besten in seinem "Gehege" im Tempel, da es dort besonders schnell wächst oder so. Keine Ahnung, bis das Vieh groß ist, ist man selbst um zehn Jahre gealtert, ich konnte keinen Unterschied feststellen. Spielen will die Bestie auch noch, als ob Frohndienst für den Meister nicht spaßig genug sei, pff!

Falls das Vieh Unsinn macht oder man einfach mal gern einen Affen ohrfeigen möchte, kann man dies tun. Besser noch: Man kann den Affen so richtig windelweich kloppen. Tut der Affe, was man ihm sagt, kann man ihn loben. Man kann ihn sogar im Schritt "kraulen". Ewww! Das wohl...seltsamste Bedürfnis des Tieres ist das Scheißen. Ja, das Tier scheißt. Ansich nichts Schlimmes, jeder muss mal, aber es bückt sich mit zusammengekniffenem Gesicht an einen Baum, PFURZT und scheißt leibhaftig aus ihm herauskullernde Haufen an den Baum. Wenn das Vieh groß wird, sind diese Haufen natürlich gewaltig und können als Wurfgeschosse verwendet werden. Apropos Verwendung: Ausgerechnet der ach so kluge Affe tendiert dazu, seine eigene Kacke zu fressen und sich danach zu übergeben. (So kann man kleine Kinder echt massivst verstören) Natürlich lernt er nichts daraus und tut es immer wieder, aber...so wird man die Dinger wenigstens los, ne?

Nun kommen wir zu einem sehr wichtigen Aspekt: Zaubersprüche. Die erscheinen auf "Ständern" in Form von Seifenblasen und enthalten verschiedene Zauber wie Heilung, Feuerball, Blitz, Nahrung und Holz erstellen, etc. Es ist wichtig, dem Tier zumindest die grundlegenden Zauber bereits im Tutorial beizubringen. Der Haken: "Kostbare" Zauber wie Nahrung und Holz erstellen, die den Dorfbewohnern wirklich massivst helfen, wendet das Tier nur höchst selten an. Man könnte ihm Gold, Juwelen und zehn geile Frauen als Belohnung anbieten, wann immer es diesen Zauber wirkt, es nützt rein gar nichts. Ich habe wirklich alles versucht. Ich habe es belohnt ohne Ende, bis es den Zauber wirklich fünf Mal hintereinander gewirkt hat und begriffen hat, dass es dafür belohnt wird. Doch kaum war das Tutorial beendet, war es aus mit der guten Erziehung. Soviel zum Thema "Intelligenz".
Doch bevor es den Zauber überhaupt wirken kann, muss das Tier ihn lernen. Dazu muss man ihm den Zauber vorführen. Ein Affe braucht nur wenige Male, bis er ihn drauf hat. Ein Tiger braucht eine halbe Ewigkeit, und wenn es nur ein bescheuerter Regenzauber ist. Da kann es schon mal 10-15 Male dauern, bis er es tatsächlich verstanden hat, und nicht selten neigen die Tiere zum "Wegschauen", das heißt man führt ihnen den Zauber vor, ohne dass sie etwas davon lernen. Großartig.

Im Tutorial gibt es einige Quests zu erledigen und, wirklich, 90 % davon sind derbst bescheuert. In einem muss man z.B. eine Arche für singende Schwachmaten zusammenbauen, d.h. ihnen Material, Tiere, Nahrung etc. bringen. Das Grausame daran: Das beknackte Scheißlied (der Refrain ist "Heideldideldi, heideldideldi", oh Gott, erschieß mich!), das sie singen, kann man NICHT überspringen. Wenn man ein böser Gott sein will, kann man natürlich die Arche zu Klump verarbeiten und die Typen ins Meer schleudern oder dem Tier als Mahlzeit kredenzen. Aber ganz ehrlich: Jeder, der sich nicht gerade als Liebhaber schlechter Musik bezeichnet, sollte diese Typen irgendwie bestrafen.

Ein anderer Quest dreht sich um einen Typen, der Kinder in einer Mine versteckt hat und sie töten will (? oder so ähnlich). Wenn man ein feiner Gott ist, befiehlt man seinem Tier, den Typen aufzuheben und wieder auf den Boden zurück zu setzen. Daraus lernt der kranke Spinner dann seine Lektion. Viel witziger jedoch ist es, den Drecksack in einem Männchen-Weitwurf einfach gegen einen Berg zu schleudern. Wenn das nicht reicht, kann man ihn dann noch von selbigem Berg herunter werfen. Hehe.
Sobald man den Feuerball-Zauber hat, kann man sowieso endlosen Spaß haben. Flugs den Kindergarten angezündet und schon rennen brennende Pixelkinder heraus, die das Tier zu löschen versucht. Das ist so krank, dass es wieder witzig ist. Wenn man seinen Gläubigen mal so richtig zeigen will, wer das Sagen hat, kann man Steine auf ihre Buden werfen, das Tier nach ihnen treten lassen oder einfach Leute mit Schafen, Palmen, Steinen, gigantischen Scheißhaufen oder anderen Leuten umkegeln. Wenn man tatsächlich nur destruktiv sein will, hat das Spiel durchaus seinen Unterhaltungsfaktor...sofern man im Tutorial bleibt. Denn ab dem 1. Level kann man es sich nicht mehr erlauben, seine Gläubigen reihenweise umzulegen oder mit riesigen Felsen umzunieten.

Doch wir sind noch im Tutorial selbst. Irgendwann wird es Zeit, weiter zu kommen, und unser Tier trifft auf ein anderes, gewaltig großes, das sich als Mentor anbietet und uns noch mehr erklärt (Ooooh Mann!). Wenn mich nicht alles täuscht, war es beim Affen ein Bär und bei der Kuh ein Schaf. Jedenfalls lernen wir den Kampf und dürfen einen wirklich ekligen Oger (nicht Shrek) entweder töten oder füttern, weil er ja nur böse ist, weil er ganz doll Hunger hat (Weichei), bevor wir ein Dorf bekehren. Also mal im Ernst, da wohnst du in einem kleinen Dorf, bist frohen Mutes und lebst so in den Tag hinein - da kommt da so ne riesige Hand und wirft mit Steinen herum oder lässt es regnen. Würdet ihr da auf die Knie fallen und diese Hand anbeten? Natürlich nicht, aber die klumpfüßigen Bewohner der Black & White-Welt sind offenbar extrem leichtgläubig und lassen sich von Regen beeindrucken. Jedenfalls wird das Mentor-Tier am Ende des Tutorials von seinem ehemaligen Herrn, dem bööösen Gott, mit Blitzen niedergemacht und wir müssen durch einen Strudel fliehen. Vorher gilt es Dorfbewohner, Nahrung, Holz und alles was man so braucht in den Strudel zu schleudern, und es sei angeraten viel davon reinzuwerfen, denn ab dem 1. Level hat man einiges zu tun und sollte gut vorbereitet reingehen.

Was relativ schnell auffällt ist, dass die Gläubigen von nun an meckern. "Wir brauchen mehr Nahrung", "Wir brauchen mehr Holz" oder, mein Favorit, "Wir brauchen mehr Kinder". Also mal im Ernst, wo soll ich die denn herholen? Mir aus dem Arsch ziehen? Gott sein ist scheiße. Diese Gläubigen sind im wahrsten Sinne des Wortes zu doof zum Pimpern, denn man muss sie manuell zu "ZÜCHTERN" machen (das klingt mal gar nicht merkwürdig, ne?), damit die Kindermacherei reibungslos abläuft, oder ihnen manuell befehlen, sich gefälligst um Holz oder die Bauernhöfe zu kümmern, denn andernfalls funktioniert auch das nicht wirklich. Sobald man dann mal zu einer Werkstatt kommt und Häuser bauen kann (seltsames System), muss man sich penibelst darum kümmern, denn steht die Werkstatt mal still, geht das Gemeckere schnell wieder los und die Nachfrage nach Häusern, Kindergärten und Bauernhöfen (darf man nicht vergessen) ist groß. Ich frage mich, warum die Gläubigen ihre Häuser nicht einfach selbst bauen. Man hat wirklich genug damit zu tun, sich um die Bekehrung anderer Dörfer zu kümmern oder aufzupassen, dass das Vieh keinen Blödsinn treibt. Dazu kommen die Gläubigen selbst, die man zum Frohndienst im Tempel schicken kann. Dort tanzen sie wie die Deppen herum und erzeugen damit irgendeine Energie (man kann sie aber auch einfach in einer Opferschale zu Energie verwursten, muhahahaha!), mit der wir zaubern können.

Diese Energie ist sehr wichtig, doch der Knackpunkt ist, dass diese tanzenden Honks auch Nahrung brauchen. Da gilt es immer wieder vorbei zu schauen, denn selbst gewaltige Nahrungshaufen sind schnell aufgebraucht und das Tier hat kein Interesse daran, sich mal nützlich zu machen und diesen mit einem Zauber aufzufüllen. Wie ihr seht, ist man plötzlich extrem beschäftigt, und das nur mit EINEM Dorf. An dieser Ecke schreien die Tänzer nach Fressalien, an der anderen wird nach Holz gebrüllt, dort wartet ein Haus darauf, von uns platziert zu werden, es gilt Holz zur Werkstatt zu bringen, Bäume zu bewässern, um neue wachsen zu lassen, den Farmern zu helfen, etc., etc.
Ansich klingt das doch wie ein Spiel, das einen nicht langweilt. Nun, das ist falsch. Das Tutorial vermittelt zunächst den Eindruck eines wahrhaft gemütlichen Spiels, in dem man sich viel mit seiner Kreatur beschäftigen und experimentieren kann. Kaum befindet man sich im 1. Level, wird man ins kalte Wasser geworfen und hetzt von einer "Pflicht" zur nächsten. Der Punkt, der dem ganzen Stress dann das Krönchen aufsetzt, ist das eigentliche Ziel jedes Levels: Die Vernichtung der Tempel der anderen Götter, die sich in der "Welt" befinden. Dazu muss man sich durch das Bekehren neutraler Dörfer zu ihnen hin"arbeiten", da wir nur in unserem "Glaubensbereich", das heißt in der Nähe bekehrter Dörfer, überhaupt wirken können. Das größte Problem ist, dass mit jeder Bekehrung das Chaos zunimmt und man irgendwann nicht mehr mitkommt. In jedem Dorf herrscht praktisch kontinuierlich Unzufriedenheit und die feindlichen Götter geben ihre Ländereien nicht ohne Gegenwehr an uns ab. Passt man mal nicht auf, kann es sein dass das feindliche Tier in unsere Dörfer marschiert und diese entweder bekehrt oder zerstört, was den Glaubensbereich wieder verringert.

Bevor ich weiter lamentiere, kann ich nur sagen: Glaubt niemals den Hypes. Niemals! Wenn sehr auf einem Feature herumgeritten wird (was meistens so ist), entpuppt sich das Ganze in 99 % der Fälle als winziger, leckerer Nougatkern umgeben von Kuhdung. Black & White ist ein absolutes Musterbeispiel dafür.

Wertung: 3/10 (1 Punkt für die damals halbwegs ordentliche Grafik (wenn man rauszoomt *hust hust* ), 1 Punkt für die Kreaturen, die aber auch nur halbwegs "funktionieren" und 1 Punkt für das Konzept. Der Rest passt hinten und vorne nicht).
3.8.08 09:53
 


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