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Videospiel-Review # 5 - Reis fromm jur Gräf?

Videospiel-Review # 5 Altered Beast

[ACHTUNG! ENTHÄLT SPOILER!]

Ach, was waren das noch Zeiten. Alles war besser, im subjektiven Sinne. Wir Kinder trugen Bambi-T-Shirts und Looney-Toon-Unterwäsche, dafür keine Stringtangas, es gab keine Klingeltöne und Handys, wir sahen uns Die Schlümpfe, Ninja Turtles (meine Mutter hat die gehasst), Yogi Bär oder anderen Kram an und die allermeisten von uns kannten keine (wirklich) schweinischen Wörter und hätten es wohl nie gewagt, die wenigen in unserem Wortschatz vorkommenden in der Öffentlichkeit zu verwenden. Wir stopften uns mit Süßigkeiten voll, dass uns heute ganz schlecht davon würde, aber das Wort "Kalorie" war uns damals weder geläufig noch wichtig. Ja, damals in den 90ern, als ich klein war, war so manches ziemlich cool, obwohl auch vieles schlimmer war als heute, zum Beispiel die Musik oder diese Leggins, mit denen uns unsere Mütter gequält haben.
Worin wir Kinder damals ebenfalls sehr unbedarft waren, bevor viele von uns zu bitteren, zynischen Säcken Mist heranwuchsen, die heute die Realität eingeholt hat, waren die Spiele. Nachdem wir unsere jungen Gehirne in der Grundschule mit vernachlässigbarem Wissen wie Lesen und Schreiben nährten, saßen wir manchmal stundenlang vor der Daddelkiste und ahnten gar nicht, wie viel Zeit wir vergedeuten - es war uns auch total egal, solange unsere Eltern nicht meckernder Weise einschritten. Heute sitzen wir, mich eingeschlossen, da und grübeln und machen uns Sorgen, weil mal wieder irgendeine wichtige Prüfung oder Arbeit ansteht. Als Kind juckt das nicht. Kinder haben die erstaunliche Fähigkeit, ihre Zeit mit Kreide auf der Straße malend zu vergeuden und doch genug übrig zu haben, für die Schule zu büffeln.

Was unsere Eltern damals nicht ahnten, war, dass sich das Kosten-/Leistungsverhältnis der Spiele im Laufe der Jahre gewaltig ändern würde und sie das Geld regelrecht aus dem Fenster warfen. Was wir Kinder damals besaßen, war entweder ein Super Nintendo oder ein Sega Megadrive. Ich gehörte zur letzteren Gruppe und damals kostete ein Spiel knapp 100 DM. Nun werdet ihr denken: Ja, aber heutige Spiele kosten knapp 40 Euro, manche, wie etwa für die PS 3, sogar bis zu 70 Euro, ist das nicht in etwa genauso viel bzw. teurer als damals?
Ja, das stimmt. Aber heutige Spiele bieten im Durchschnitt eine Spieldauer von ca. 20 - 30 Stunden, bzw. sollten diese mindestens bieten. Manche bieten sogar bis zum 10-fachen dieser Zeit. Damals bot ein Spiel in der Regel eine Spieldauer von allerhöchstens 1 - 2 Stunden, nur die (raren) RPGs boten mehr. Sonic the Hedgehog, die wohl berühmteste Spielereihe für das Megadrive, bot bei den ersten beiden Teilen (die anderen besitze ich nicht) für geübte Spieler eine Dauer von ca. 30-45 Minuten. Und wir waren Kinder, wohlgemerkt, Kinder, die keinen Wert auf Rekordzeiten legten. Wir waren keine Nerds mit Emulatoren und irgendwelchen Tools, die uns Super-Speedruns erlaubten.
Speedruns sind übrigens ein ganz guter Indikator, wie viel Inhalt ein Spiel in seiner "puren" Form bietet, also wenn man tatsächlich nur durchspielt und sich nicht um Extras und anderen Kram schert - es sei denn, irgendein Glitch, Fehler oder sonstiges erlaubt es, das Spiel vorzeitig erfolgreich abzuschließen. Nun ja, schon so manche Playstation 1 - Spiele beschäftigen einen Speedrunner (hätte auch gerne so viel Freizeit, so etwas zu machen - aber ich würde sie nicht dafür vergeuden) schon mal 2 volle Stunden, und PC-Spiele sind da nicht anders.

Jedenfalls waren die Spiele, mit der wir unsere ersten Zockererlebnisse hatten, von sehr...kurzer Dauer. Heute präsentiere ich euch ein Musterbeispiel, ein Spiel, das gleichzeitig Klassiker und Legende ist und doch total bescheuert, in manchen Punkten lausig gemacht und nicht (wirklich) das Geld wert: Altered Beast für das Sega Megadrive. Allein die Story lässt den verwöhnten Gamer unserer Tage entsetzt die Nase rümpfen: Wir befinden uns im antiken Griechenland. Göttervater Zeus erweckt einen Zenturio (WTF?) aus seinem Grab, damit er seine Tochter Athena retten kann, die von einem Typen namens Neff gekidnappt wurde, dem Assbaby von Voldemort und Imhotep. Um diese gar schrecklüch schwierige Aufgabe bewältigen zu können, erhält unser Held die Fähigkeit, sich in ein WERBIEST zu verwandeln! Wow!
Köstlich, nicht? Spieleentwickler unserer Tage müssen sich wegen jeder noch so winzigen Kleinigkeit einem wütenden Mob randalierender Nerds erwehren, die tausende Foren vollspammen und meckern, und damals konnten sie noch schalten und walten, wie es ihnen beliebte. Das müssen damals recht amüsante Jobs gewesen sein, während ich mir heute den Job eines Spieledesigners sehr stressig und frustrierend vorstelle.
Ich meine...zählen wir nur mal die offensichtlichen Lücken in der Storyline auf: Scheißen wir z.B. drauf, dass Zenturios eigentlich ins antike Rom gehören! Und es ist auch nicht weiter schlimm, dass sich Zeus, allmächtig und blitzeschleudernd, wie er nun mal ist, nicht einfach selbst Neff krallt und Athena rettet - besser noch, warum rettet sich Athena nicht gleich selbst? Athena ist die Göttin des Krieges und wird nicht mit einem kahlköpfigen Hampelmann fertig? Dann, was sind Neffs Motive? Will er nur Brüste begrabbeln oder Geld, Macht und einen Sportwagen? Wer ist Neff überhaupt?

Vollkommen egal, Hauptsache, wir können ein paar Pixel zu Klump schlagen!
Und sogleich geht es los. Wir sehen ein seltsames Grab und Zeus, der eine lila Kugel hält (hö?) und in grandioser Sprachausgabe verlauten lässt: Reis fromm jur Gräf! Was auf vernünftigem Englisch natürlich "Rise from your grave" heißen sollte. Ein Blitz schlägt im Grab ein und unser in ein rosa Leibchen gekleideter Zenturio kommt zum Vorschein. Ja, rosa, die beste Farbe für einen Kämpfer. Die Animationen sind - naja - mäßig, nicht herausragend, aber auch nicht unbedingt schlecht. Ohne weiteres Zögern machen wir uns bereit für die "epische" Reise in die Unterwelt.
Unsere ersten Gegner sind Zombies, die der ...Zenturio... mit zwei verschiedenen Angriffen besiegen kann: Ein Tritt und ein Schlag. So haben unsere Eltern noch mit Zombies gerungen, während wir Kiddies heute mit Katanas, Magie oder gleich mit einer Big Fu**ing Gun auf sie einkloppen bzw. schießen müssen. Jeweils zwei Treffer sind in dieser "Ur-Form" unseres Zenturios notwendig, einen Zombie zu töten.

Die erste, wichtige Aufgabe ist es, sich zu verwandeln. Dazu müssen wir blaue, dreiköpfige Hunde, die aber ganz und gar nicht wie dreiköpfige Hunde aussehen (Zerberus? War Zerberus blau?) zu Klump hauen. Danach fliegt eine blaue Kugel heraus, die wir auffangen müssen. Dann wiederum zerreißt des Zenturios Leibchen (haltet die Ladies zurück!) und er lässt verlauten: "Power Up!"

Sorry, aber....LOL!

Nun ja, zumindest sagt er das in einem verständlichen Englisch, das müssen wir anrechnen...
Mit nun aufgedunsenen Muskeln sind wir dazu in der Lage, Monster besser zu vermöbeln - dasselbe Spielchen mit dem Hund nochmal, wir verwandeln uns in einen Mann, der zu 95 % aus Muskeln besteht, nur ein Höschen trägt *keuch* und einen extrem kleinen Kopf hat, und dann, beim Einsammeln der finalen Kugel, folgt die TRANSFORMATIONSSEQUENZ!

In einer tatsächlich gut gemachten Animation verwandelt sich der Zenturio in einen Werwolf. Von nun an verfügen wir über besonders starke Fähigkeiten und die Monster können uns theoretisch gar nichts mehr anhaben. Irgendwann begegnen wir Neff, der blitzeschleudernd dasteht und, nach einigem Warten, verkündet: "Welcome to youa dooma!" (Also spätestens zu dem Zeitpunkt haben sich die japanischen Entwickler verraten)

Im ersten Level verwandelt sich Neff zunächst in eine Wolke, und dann zu einem Haufen...Eiter, der mit Köpfen nach uns wirft. Keine Ahnung, was das genau darstellen soll, ich glaube kaum, dass dieses Ding einen altgriechischen Ursprung hat. Der Kampf ist mit ein bisschen Daumenpenetration keine große Herausforderung. Mit einem lauten Rauschen verwandelt sich Neff erneut in eine Wolke, ein Loch erscheint und sein Glatzenschädel kommt zum Vorschein. Unserem Zenturio werden alle Zauberbälle entzogen, sprich er wieder zur dürren Hühnerbrust, und Neff lacht angesichts dieses großartigen Plans einfach mit einem bösen "Ha ha ha ha ha ha", obwohl ihm gerade die Fresse poliert wurde. Kaum ins Loch gehüpft, hören wir dramatische Musik und sehen in einem Art Glas das Voranschreiten der "Story" (wenn man sie als solche unbedingt bezeichnen muss), welche, ja wir spoilern mal, nur darin besteht, dass Neff böse Dinge mit Athena anstellt (und, nein, er geht ihr nicht an die Tunika, sondern verwandelt sie in einen Vogel - warum auch immer!)

Der zweite Level ist der in Spielen UNERSÄTZLICHE Höhlenlevel. Ohne den geht es einfach nicht. Es ist schon seltsam, aber in sehr, sehr vielen Spielen ist der zweite Level ein Höhlenlevel. Gut, manchmal verschiebt er sich nach vorne oder hinten, aber kaum eins kommt ohne aus. Unser erster Gegner ist ein lila Sitzsack mit Zähnen, der uns, wenn wir nicht schnell genug sind, auf den Kopf springt und tot beißt. Na großartig. Die weiteren Gegner sind Drachen und komische Vögel.
Kaum sind die Bälle einsammelt, verwandeln wir uns in einen Drachen. Was sofort auffällt, ist, dass die Animation eigentlich gar nicht mehr vorhanden ist. Im ersten Level hat sich der Zenturio wirklich verwandelt, nun wechselt das Bild nur von einem Mann zu einem Drachen. Zu anstrengend für die Programmierer, oder einfach keine Lust? Das gehört wohl in das Reich der Mythen und Legenden.
Der Endgegner in diesem Level ist eine große Pflanze mit komischen...Bällen, die auf uns zufliegen. Hier muss man sich einfach von vornherein der Pflanze nähern und wie besessen auf den Knopf hämmern, dann ist die Sache kein Problem. Wieder klaut uns Neff, erneut vernichtend geschlagen, die Bälle, lacht blöd und wir machen uns auf den Weg, ihm ein weiteres Mal eins auf die Fresse zu hauen (Neff lernt offenbar nichts dazu).

Der dritte Level ist (Trommelwirbel!) noch ein Höhlenlevel! Nur diesmal nicht so pflanzenbedeckt, sondern in einheitliches kackbraun getaucht. Unsere Gegner sind Ameisen, seltsame Vögel, Schildkröten und Zombies. Ich mache es kurz: Wir verwandeln uns in das wohl dümmste Werbiest überhaupt: Den Werbären! Seine "Standpose" gleicht einer Primaballerina und seine Attacken sind ein Wirbelsprung (?) und eine...Blaseattacke. Nein, ich habe mir das nicht ausgedacht. Wer im 2-Spieler-Modus spielt, kann mit dem Werbären nicht enden wollenden Spaß haben. Bekloppt rumspringen, mit nobel eingeknicktem Füßchem dastehen, lustig rumlaufen...blasen? Alles drinne! Oh, und was macht die Blaseattacke nun, fragt ihr? Die verwandelt Gegner in Stein. Aber haltet euch gar nicht damit auf, sondern klumpt sie gleich zu Matsch.
Der Endgegner in diesem Level ist eine Schnecke mit Drachenkörper. Ich weiß nicht mehr, wie man dieses Vieh nennt, aber das hat tatsächlich einen "mystischen" Ursprung, ob der jetzt nun altgriechisch ist, kann ich aber nicht sagen. Dieser Gegner ist wirklich easy - einfach frontal drauf, auf das Knöpfchen hämmern und abwarten, bis er erledigt ist. Der Bälle-Klauen-Ablauf wiederholt sich erneut, wir hören dramatische Musik und die "Nerven zerfetzende" Story wird immer "actiongeladener".

Im vierten Level befinden wir uns in einer Art unterirdischem Tempel. Unsere Gegner sind fliegende Dämonen, Zombies und Vögel. Hier muss man manchmal aufpassen, da die fliegenden Dämonen Hämmer tragen und ein wenig ungemütlich werden können, aber ansonsten ist alles gemütlich wie immer - durchboxen und -treten bis alle Bälle einsammelt sind. Hier verwandeln wir uns nun in einen Wertiger, und das "Transformationsbild" sieht wirklich bescheuert aus. Der Kopf hat die Größe einer Wassermelone und der Hals ungefähr die Dicke eines Kinderarms. Anatomie? Nicht wichtig, wie es scheint. Der Tiger kann Bälle schleudern und nach oben springen und da Zeug verklumpen, was praktisch gegen die Hammer-Dämonen ist. Übrigens merkt man einen deutlichen Abfall in der Grafikqualität - war der Werwolf noch ganz gut, der Drache ebenso und der Bär naja dargestellt, sieht der Tiger richtig billig aus. Aber was soll's...
Unser Endgegner ist ein...seltsames Teil. Eine Art kleines, kreisrundes, blaues Krokodil mit Feuer (?) in der Mitte, das kleine Feuerdrachen ausspukt. Nach ein bisschen hin und her ist auch dieser Endgegner erledigt und wir hüpfen durch das Loch, um den finalen Level zu betreten.

Dieser Level, die Unterwelt, ist mit Abstand der hässlichste von allen. Der Hintergrund ist rosa, der Himmel in langweiligem Grün, der Boden einfach nur ocker und im Vordergrund stehen ein paar Pappaufsteller - also bitte. Die Gegner sind auch seltsam. Ziegen? Ninja-Einhörner? Boxende Tapire? Bekloppte Fische? Sieht so die Unterwelt aus? Die griechische Unterwelt stelle ich mir irgendwie anders vor...irgendwie...cooler!
Der Level ist wahrhaft einfach, und im Nullkommanichts treffen wir auf unseren letzten Endgegner - Neff. Und, was denkt ihr wohl, wie werden wir Neff entgegentreten? Als cooles, neues Werbiest? Falsch. Wir sind wieder ein Werwolf, nur diesmal golden! (Diesem Level merkt man irgendwie an, das sich keiner mehr so recht bemüht hat)
Und, was denkt ihr nun, in welcher hoch gefährlichen Form tritt uns Neff entgegen? Als Drache? Als schwebender Glatzkopf? Als ein riesiges Skelett? Irgendetwas Cooles? Alles falsch. Neff ist ein Rhinozeros. Ich wiederhole: Unser letzter Endgegner ist ein verdammtes Nashorn und dazu noch ziemlich klein und unscheinbar. Was sind wohl seine coolen Attacken? Nun, wenn ihr treten und boxen cool findet, dann werden sie das wohl sein...

Kaum ist Neff das Nashorn besiegt, erscheint ein blauer Vogel, fröhliche Musik ertönt und Athena erscheint, die sich dankbar an unseren Furry-Zenturio schmiegt. Und damit ist diese epische Geschichte auch vorbei, Zeus ist happy, Athena ist happy, alle sind happy, Neff ist tot, Ende.

Ja, für so etwas hätte man früher viel Geld ausgegeben, aber soweit ich weiß, war dieses Spiel bei der Konsole dabei, also sparte man sich das Geld (so wie "Heavenly Sword" für die PS3, das einfach nur gagga ist - dafür würde ich auch kein Geld ausgeben, aber es war nunmal dabei). Nichts desto weniger ist das Spiel eine Legende, und ich will nicht abstreiten, dass es unterhaltsam ist. Man kann sich fünfzehn Minuten lang hinsetzen, auf einen Knopf einhämmern und sich über die bekloppten Gegner/Grafiken/Animationen/Sprachausgabe amüsieren bzw. diese imitieren. Und früher konnte man sich mit einem Freund oder seinen Geschwistern hin hocken, sich gegenseitig die Bälle mopsen, schreien, wenn der Zenturio mal wieder putt gemacht wurde und dem anderen lobend die Schulter klopfen, wenn man das Spiel durch schaffte.

Ja, das waren noch Zeiten...
3.8.08 10:01
 


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