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Videospiel-Review # 8: Folklore

Videospiel-Review # 8 - Folklore


Ich gebe zu, ich habe ein gewisses Problem mit Fantasy. Es gibt für mich, grob gesehen, zwei Typen: Fantasy, die sich bierernst nimmt und Fantasy, die sich nicht ernst nimmt. Letzteres geht bei mir fast immer, aber den ersten Typus betrachte ich ein wenig zwiespältig. Ernste Fantasy funktioniert in meinen Augen nur dann, wenn das Ausgangsmaterial gut genug ist, um diese Ernsthaftigkeit zu rechtfertigen. Jetzt werden manche von euch sicher denken: Ja, aber ist Fantasy nicht schon von seiner Definition her „nicht ernst“? Das meine ich damit natürlich nicht. Ich lege keinen allzu großen Wert auf korrekte Physik, auf von vorne bis hinten durchrecherchierte Fakten oder ähnliches. Fantasy darf verrückt und „nicht von dieser Welt“ sein, nein, das soll es. Aber wenn sich diese „verrückte Welt“ todernst nimmt - das heißt statt einer lebendigen Welt, wo Ernsthaftigkeit und Witz Hand in Hand gehen, eine Welt voller Drama, staubtrockener, politischer Themen und hölzerner Dialoge/Romanzen bietet, ist bei mir Schluss.

Fantasy ist ein Genre, wofür es jeder Menge Talent und einem Händchen für die richtige Mischung bedarf. Viele verwechseln Fantasy mit "ich pansche all meine Einfälle zusammen, stopfe alles in eine eigene Welt, in der meine Regeln herrschen und - plopp! - Meisterwerk!"

Was neulich in meine kleine PS3-Kollektion mit aufgenommen wurde, war das Spiel "Folklore", und dieses Spiel ist ein perfektes Beispiel für miese Fantasy. Aus meiner eigenen Erfahrung heraus, ich habe das Spiel fast durchgespielt, würde ich es als Mischung aus keltischen Mythen, Pokémon, Alice im Wunderland und viel Emo-Zeug bezeichnen. Oder nehmen wir einen allgemeineren Begriff...hm...seltsam? Quatsch? Ja, Quatsch ist gut.


Vorab muss ich mal anmerken, dass mir dieses Kelten-Verwursten derbst auf den Senkel geht. Nach der Meinung vieler Leute waren die Kelten baumumarmende, Ringel-Ringel-Rose-tanzende Hippies, bei denen alles so viel toller und besser war als heute. Natürlich waren die Kelten auch per Du mit den Elfen, Feen und anderem magischem Viehzeugs aus dem Wald, und jeder Tag war erfüllt von mystischer Atmosphäre und Glitzerstaub. Dass die Kelten ein recht kriegerisches Volk waren und ihr Alltag voller harter Arbeit und Entbehrungen (so wie bei jedem Volk dieser Zeit!), scheint niemanden zu interessieren. Mythen alter Völker sind gut und schön, aber man kann besagte Völker nicht auf sie reduzieren.


Aber kommen wir zum Spiel. Im Geiste jener Fantasien sind auch hier nur winzige Bruchstücke der keltischen Mythenwelt aufgeschnappt und verwendet worden, ohne dabei konkreten Bezug auf die Kelten selbst zu nehmen. Das an sich ist schon extrem traurig, da die Macher damit schon einen riesigen Batzen (praktisch geschenkte) Atmosphäre das Klo runtergespült haben.


Die Story dreht sich um ein Emo-Weib namens Ellen, das seine Mutter sucht (ihr werdet das Wort "Mutter" dank dieses Spiels hassen lernen, oh ja!) und deshalb, nachdem sie einen mysteriösen Brief erhalten hat, zum irischen Dörfchen Doolin reist. Der Reporter Keats, der aus einem Wie-erstelle-ich-einen-möglichst-seltsamen-Charakter-Katalog eines Anime- oder Mangakünstlers stammen könnte, wird von einer Frau dort hin beoordert, da er für irgendein mystisches Käseblättchen arbeitet.

Die Charaktere werdet ihr in euer Herz schließen - im negativen Sinne. Ellen ist eine Dramaqueen der feinsten Sorte. Ihre Posen beinhalten:


1. Erschrocken gucken und dabei mit den Händen das Gesicht verdecken

2. Die Beine verkreuzen und ängstlich gucken

3. Traurig gucken und dabei den Kopf möglichst gen Boden richten


Sie verwendet das Wort "Mutter" so oft, dass man seine eigenen Socken fressen möchte. Als ob irgendwer seine Mutter "Mutter" nennt. Sie hat - natürlich - keinerlei Erinnerung daran, wer ihre Mutter ist und was mit ihr passiert ist, bevor sie Waise wurde (Charakter-Katalog Eintrag # 1: Person mit Amnesie – und wieso haben DIE eigentlich immer eine mysteriöse Vergangenheit?). Anstatt einfach zum Amt zu fahren und sich dort zu erkundigen...ach, egal.


Keats, der lässige Reporter mit den von-innen-leucht-Brillengläsern (typisch japanisch) hat immer einen super-chilligen Spruch auf Lager und spielt gerne den Coolen, der die Lage checkt, egal wie verrückt alles um ihn herum ist (Charakter-Katalog Eintrag # 2: Cooler Reporter/Detektiv). Sein Outfit ist wirklich...interessant *hust*. Er trägt kniehohe Schnürstiefel, einen lila Mantel, eine lässig-locker herunterbaumelnde, grüne Krawatte und leicht puffige Hosen. Can't touch this? Seine Posen beinhalten:


1. Arme ausstrecken

2. Brille zurückschieben

3. Kinn reiben


Beide treffen sich also irgendwo auf den Klippen nahe Doolins und sehen eine Frau, die beide auch gleich für die mysteriöse Person halten, die sie hergerufen hat. Teh Zufall! Doch die Lady kippt nur wie ein nasser Sandsack zur Seite und wird von Raben angepickt, bevor sie herunterkullert. Teh Zufall²! Kaum unter den Klippen, am Strand, angekommen, bricht Emo-Ellen zusammen und ein ES (Geschlecht zu dem Zeitpunkt nicht identifizierbar) erscheint und motzt doof herum. Ellen wird in eine schmuddelige Hütte gebracht, die auch sofort zu ihrem Heim ernannt wird - mietfrei wohnen? - und fortan dreht sich alles nur noch darum, mit den Toten in Kontakt zu treten, was alle Bewohner des Dörfchens für das Normalste der Welt halten. Hö?

Ich halte mich nicht weiter mit irgendwelchen Details auf, denn ich verstehe selbst nicht so ganz genau, was das alles nun im Detail zu bedeuten hat - und ich habs zwei Mal gespielt, verdammt (später werdet ihr erfahren, warum!). Beide, Ellen und Keats, treffen auf ein Wesen aus der Unterwelt. Bei Ellen ist es eine Vogelscheuche, die sinnigerweise Scarecrow heißt, und bei Keats ist es ein Unsichtbarer, der Belgae heißt. Beide lotsen den jeweiligen Charakter zum Steinkreis, der sich praktischerweise nahe des Dörfchens befindet. Unter diesem befinden sich Ruinen, wo beide TRANSFORMIEREN. Gaaaah!


Ellen hat die Kirsche auf dem Scheiße-Eisbecher erwischt. Ihre "magische Ausrüstung", die es ihr erlaubt, die Unterwelt zu betreten, ist ein Mantel. Ja, ein Mantel. Der Mantel kann sie sogar führen! Eingebautes GPS? In einer Sailor Moon-Transformations-Sequenz (ohne Witz) legt sich Ellen den Mantel an, der relativ freizügig ist, bauchfrei, um genau zu sein, und von hinten betrachtet irgendwie clownhaft wirkt, aber angeblich aus keltischen Zeiten stammen soll. Die Kelten trugen solche Mäntel? Ich glaube nicht, liebe Entwickler.


Keats Verwandlung ist einfach nur...seltsam. Sein Mantel flutscht wie von einem unsichtbaren Riesenstaubsager angesaugt von ihm und er verwandelt sich in Super-Keats! Mit lila Haut, leuchtenden Augen, Tattoos und weißen, langen Haaren! Keltischer geht es nicht mehr, meine verehrten Damen und Herren! Spiel ich hier Folklore oder SoulReaver?


Die erste Welt, die Faery-Welt, ist das typische Abbild einer Feenwelt - bunt, kitschig, mit schwulen Elfen bevölkert und allgemein süß-knuddelig. Unser Ziel ist es, alte Angelegenheiten der Toten zu lösen, die irgendwie mit Ellen und ihrer doofen Mutter zusammenhängen. Dazu müssen wir "Folks" sammeln, das heißt Viecher besiegen und dann, mithilfe des Mantels - ja, so seltsam es auch klingen mag - einsammeln (Pokémon lässt grüßen). Danach werden sie in unsere Folks-Sammlung aufgenommen und wir können sie einsetzen. Es gibt sehr viele Folks mit unterschiedlichen Fertigkeiten. Sei es nun ein Greif, der Wind auf die Gegner bläst, ein hässlicher Gnom, der Sachen kaputt schlägt, oder ein Golem, der uns vor Angriffen schützt. Manche Folks sind auch nur mit ganz bestimmten anderen Folks zu besiegen, also gilt es manchmal auszuprobieren, was funktioniert und was nicht.

Was sofort auffällt ist, dass die Welt sehr linear ist. Man folgt den Wegen und kann weder durch's Gebüsch laufen noch über Steine klettern. Die Welten selbst sind sehr einfach aufgebaut und gerade die erste Welt ist ziemlich klein, wenn auch relativ abwechslungsreich.


Was ebenso auffällt, ist die sonderbare Musik. Die, die bei einem Kampf ertönt, ist im ersten Level einfach nur...seltsam. Karnevalsmusik mit einem Männerchor? Ja, das trifft es recht akkurat. Nachdem wir einige Kämpfe hinter uns gebracht haben, treffen wir auf Ellens "Mutter", die sie in einer sehr witzigen Pose und in TYPISCHER Animemanier angreift (und dabei sieht sie mit ihren steifen Gliedmaßen auch noch wie ein Sim aus - peinlich). Flugs sind wir wieder in der Realität und erfahren, dass es gar nicht die Mutter war. Also, warum dann das Theater? Egal...kaum sind wir wieder in der Unterwelt, gilt es den Endgegner, die Folklore, zu erledigen. Im ersten Level handelt es sich dabei um eine Art Schildkröte mit Tentakeln (ich sach nix dazu), die, kaum besiegt, den Kopf in den Matsch steckt und zu einer gigantischen Blume wird (gähn). Ist die dann besiegt, ist der erste Level und damit die erste Welt abgeschlossen.


So schön bunt die Welt auch sein mag, sie ist winzig. Die einzelnen, voneinander getrennten Bereiche sind nicht sehr zahlreich, und auch wenn sie durchaus abwechslungsreich sind, so hat man sich von dieser Faery-Welt ja doch etwas erwartet. Das, liebe Leser, könnt ihr euch, falls ihr auf Besserung dieses Umstands hofft, an den Hut schmieren. Wer knuddelige Elfen erwartet, sollte besser gar nicht weiter lesen. Wer verschrobene Fantasy erwartet...nun, im gewissen Maße wird sie geliefert. Manche Folks sind cool, andere total vorhersehbar und langweilig, und auch das knallbunte Exterieur der Welt wechselt rasch in schattig-grau-grüne Waldebenen, anstatt einfach mal richtig unvorhersehbare Wege zu gehen. Feen = Bäume und Blumen? Das geht auch anders.


Aber kommen wir zu Level 2, und schon wird meine Aussage bestätigt, wenn auch im negativen Sinne. Warcadia. Gott, ich HASSE diesen Level. Dabei ist er weder schwer noch gibt es abnormal blöde Folks. Das Problem: Das Setting ist scheiße. Im ersten Level wird man noch mit einer Faery-Welt der ultra-stereotypen Sorte regelrecht verwöhnt, und nun...befinden wir uns in einem Zweite-Weltkrieg-Szenario. Ja, ihr lest richtig. Wir laufen durch kackbraune, zertrümmerte Städte, wo uns Soldaten-Faerys und Roboter angreifen. Zwar sieht der Mantel tausend Mal besser aus (Braun-Grün, ein wenig Robin Hood-mäßig), aber der Rest ist einfach nur schrecklich. Warcadia bestätigt mich in meiner Theorie, dass der zweite Level oder die zweite Welt in einem Spiel fast immer blöd/ein Höhlenlevel/unnötig anstrengend oder einfach nur uninspiriert ist. Klar hätte ich das nicht erwartet, aber Feen und Kriegszenarien dieser Sorte gehören für mich nicht zusammen. Schlimmer noch, die Kelten und Zweite-Weltkrieg-Szenarien passen nicht zusammen. Wäre es ein Krieg im altertümlichen Sinne gewesen, würde ich mich nicht beschweren, denn ich erinnere, wir befinden wir uns in der keltischen Unterwelt! Dass die Handlung in modernen Zeiten abläuft, spielt dabei keine Rolle. Die altertümlichen Kelten existieren nicht mehr, folglich kann man sie nicht mit irgendeinem modernen Krieg in Verbindung bringen. So!

Die Folklore ist diesmal ein - na, ihr könnt es wahrscheinlich schon erraten - Roboter. Er ist vierbeinig und sehr leicht zu besiegen (zumindest als Ellen). Kaum erledigt, sind wir auch hier schon wieder fertig.


Level 3 ist die Meeresstadt. Meerjungfrauenbrüste begaffen? Coole Fischfolks? Verrückte Designs? Ähm...nein, nicht wirklich. Zwar ist das Meeresthema ganz gut umgesetzt, doch schon nach ein paar Metern bewegen wir uns nur noch durch Höhlen und stereotype Atlantis-Gemäuer. Unsere ersten Gegner sind endlos nervige, hässliche Elfen mit Flossen (Schwimmflossen, nicht Fischflossen), die uns mit einer Art Harpune angreifen. Die restlichen Folks bestehen aus Fischen, wobei die wirklich anstrengende Gegner sein können, kleinen Hunden, Alraunen und krebsartigen Tieren, die sich eingraben.

Der Mantel ist wieder etwas freizügiger als der Warcadia-Mantel. Sieht halt recht...fischig aus, aber ist in Ordnung so.

Die Kampfmusik ist noch schräger als im ersten Level. Die klingt nämlich extrem orientalisch und passt damit überhaupt nicht zum Meeresthema und, ich muss mich wiederholen, zum Keltenthema. Nix gegen orientalische Musik, kann ja gerne an passender Stelle eingesetzt werden, aber nicht hier!

Unsere Folklore ist - na, was denkt ihr wohl? Richtig! Es ist ein Fisch. Dem muss man Teile des Körpers regelrecht abhacken, bis nur noch der Kopf übrig ist. Der fegt dann wie ein wahnsinniger Staubsauger durch den Level. Ist er besiegt, ist auch diese Welt abgeschlossen.


Level 4. Story? Ach, interessiert mich doch nicht. Wir erfahren nach und nach irgendwas von irgendwelchen Leuten die irgendwann gestorben sind, die mich eigentlich gar nicht interessieren, und zwischendurch tauchte auch mal so'n Faery-König mit Schmerbauch und Penisnase auf, ebenso wie eine Speer-schwingende Tussi mit Hörnchen-Rastas, aber der Rest - unwichtig. Merkt euch die zwei Personen, der Rest ist wirklich egal. Level 4 ist der Endlose Korridor. Vorab werden wir gewarnt: Labyrinth, könnte schwer werden. Ich persönlich hasse ja Labyrinthe, aber was muss, das muss...

Meine Empfehlung: Holt euch eine Schwester oder nen Bruder, oder, wenn keins von beidem vorhanden ist, halt irgendeine/n Freund/in zur Seite. Sagt dieser Person, sie soll auf die Karte Acht geben. "Läuft" da ein Punkt vom Weg raus, quasi ins Nichts, wisst ihr, wo ihr hin müsst. Mit dieser (einfachen) Taktik habe ich es mühelos durch geschafft. Unsere Gegner hier sind komische Ninja-Weirdos, grinsende Uhren, Elektro-Bücher, Golems, hüpfende Viecher, Vögel und eine Sorte Golem, die richtig übel reinkloppen kann. Die Kampfmusik ist diesmal okay und die Kämpfe selbst teilweise recht fordernd, was ich gut fand. Die Umgebung ist zwar öde, aber in Ordnung so. Der Endgegner ist auch ENDLICH von der unerwarteten Sorte. Wir befinden uns quasi - in ihm!

In der Mitte befindet sich ein Mund. Aus diesem kommt ein Herz heraus - unser Ziel. Augen glotzen aus den Wänden heraus und immer und überall können plötzlich ein Arm und ein Fuß (Monty Python!) erscheinen, was außer grüner Kotze, die aus dem Herz kommt (eww!), der einzige aktive Angriff dieses Endgegners ist! Zunächst muss man die Augen mit einem Wasserfolk nass spritzen, sich dann ein paar Gegnern und der Fäuste/Füße erwehren und dann, wenn das Herz erscheint, drauf kloppen und der Kotze entrinnen.

Ein einfacher Endgegner, aber cool.


Level 5. Die Hölle! Wow! Darf ich Satan auf den Thron kacken und ein Fähnchen reinstecken? Oder hüpfen Teuflinge umher? Ich will einen Teufel-Folk! Oder einen richtig fiesen Dämon, einen der Leuten die Lunge raus reißt und damit Dudelsack spielt. Ach, ihr wollt das auch? Dann vergesst das mal ganz schnell. Hier gibt es keine coolen Dämonen und keinen Satan, der hinter der Ecke erscheint und uns in die Kniekehle tritt, dafür Wasser (ja, in der Hölle gibt es fließend Wasser. Aber die Sünder müssen sich ja auch mal die Haare waschen).

Vorab: Die Gegner sind nervtötend. Und sie sind, mit Verlaub, nicht cool. Wir hätten da: grinsende Pflanzen, einen riesigen Affen, wieder solch einen Ninja-Weirdo, verdammte Drecksvögel (sehr nervig), Clowns und diverse Sorten sensentragender Dämonenwesen, sehen ein wenig wie eine Mischung aus dem Ghost Rider und einem apokalyptischem Reiter aus. Wie wäre es mit richtigen Höllenkreaturen? Feurigen Viechern? Skelettmonstern? Weiß der Geier was? Aber...Clowns? In der Hölle?

Nachdem wir die Hölle ein wenig erforscht haben, arbeiten wir uns Schritt für Schritt einen Turm hinauf. Dieser Turm ist schrecklich anstrengend, da man bei jeder Etage Gegner besiegen muss, die auch noch höchst blöde zu besiegen sind (z.B. zwei Vögel und drei Sensen-Ghost-Rider-Dämonen). Endlich oben angekommen, wartet ein Mini-Bossfight, der auch in den vorherigen Levels vorkam. Das Problem: Alle vorherigen waren leicht.

Nun, großer Spoiler: Bei diesem hier muss man sich nur an die lustigen Buchseiten halten, die man einsammelt. Dieser Gegner wechselt nämlich die Farbe (und ich dachte, das wär ein Clipping-Fehler...), und muss dementsprechend mit höchst blöden Folks angegriffen werden.

Unser Endgegner hier ist eine Art Richter, der mit Eulen auf uns schießt. Doch zunächst müssen wir uns rotierender Spiegel erwehren. Da der Kampf ein wenig Reaktionsgeschwindigkeit erfordert, ist er gleichzeitig fordernd und cool. Klar war der Kampf nicht schwer, aber Spaß gemacht hat er.


Ist der Endgegner besiegt und man hat bisher nur mit Ellen gespielt, kommt der Knaller: Hier geht es nicht mehr weiter, bis man Mister "Leuchteffektauge" Keats bis zum Höllenlevel durchgeboxt hat. Das ist aus zwei Gründen scheiße:

1. Hat man den ganzen Kram schonmal gemacht. Keats Level unterscheiden sich nur minimal von Ellens und er hat nur ein paar andere Folks.

2. Keats spielt sich ganz anders. Ellen ist defensiver und damit definitiv einfacher. Keats ist sehr offensiv und sehr schnell ein sehr toter Keats, außerdem sind manche seiner Folks schlichtweg unbrauchbar.


Jedenfalls, ist man tatsächlich so masochistich, sich auch noch mit Keats zum Höllenlevel zu quälen - die Endgegner sind allesamt schwieriger mit ihm, abgesehen vom Ersten - geht es auch weiter. Irgendwann, nachdem wir es fast vergessen haben, machen wir Ellens Mutter ausfindig. Sie trägt eine schwarze Robe mit ständig wehenden Schlaufen (Physik? Nie gehört) und labert ganz viel dummes und ultra-emotionales Zeug, bevor sie, NATÜRLICH, stirbt. Zumindest erfahren wir, dass Ellen in Wirklichkeit Cecilia heißt und früher ein ganz furchtbares blaues Kleid getragen hat. Na, Ellen, das ist doch was. Nun klau Mama die EC-Karte aus dem Live-Action-Roleplay-Kostüm und mach dich vom Acker! Nein, da ist ja noch dieser fette, gammlige Faery-König, dessen sich Ellen unbedingt noch annehmen muss. Uff! Warum? Du weißt jetzt, was früher war. Können jetzt bitte die Credits kommen?


Da hilft alles Flehen nichts.


Im nächsten Level, wir steuern jetzt wieder Ellen, befinden wir uns in Doolin. Es gibt keine neuen Folks, keine Gegner, nichts, nur endlos viel Gelaber und Herumgelaufe. Das Einzige, was diesen Level überhaupt als Level erwähnenswert macht, ist der Endgegner...hm, wie soll ich ihn beschreiben...ein...Monster, das Sachen auf uns wirft. Es ist nicht ganz einfach zu besiegen, aber nicht unschaffbar, und kaum ist es erledigt, ist das Kapitel vorbei.


Danach befinden wir uns im Unterweltkern und, oh Gott, Ellens Mantel ist wohl ein schlechter Scherz, das will ich zumindest hoffen. Hochhackige, weiße Stiefel, ein weißer Mantel, ein weißer Minirock und ein weißes, bauchfreies Top. HABEN SICH DIE KELTEN SO GEKLEIDET? Was ist das, Sailor Bordsteinschwalbe gegen die Mächte des Bösen? Und da empören sich die Massen über freizügig gekleidete Mädchen, wenn ihnen DAS fortlaufend vorgesetzt wird? Mir geht dieses bis zum Erbrechen durchgenudelte Klischee des heldenhaftes Super-Weibchens derbst, DERBST auf den Wecker.


Fakt 1: In hochhackigen Schuhen können nur die Wenigsten rennen, geschweigedenn kämpfen

Fakt 2: Es gilt nicht die Regel: Je weniger Kleidung, desto mehr Schutz im Kampf

Fakt 3: Dieses „Ich bin sauer weil meine Mama tot ist und räche mich jetzt mit meiner magischen Kraft, die genau aus diesem Grund jetzt superstark ist“ ist nicht unkreativ, es ist der Boden eines leeren Fasses voller toter Fliegen und Dreck.

Fakt 4: Bei Frauen, wie auch bei Männern, SOLL es Exemplare geben, die nicht wie eine Neuauflage von Barbie bzw. Ken aussehen. Steigt von diesem Perfektionszug ab, Wachsmenschen sind so endlos öde und langweilig!


Scheiße, ihr ach-so kreativen Spieledesigner, Autoren, Filmemacher. Hört auf mit diesen nuttigen Heldenweibchen. Hört auf mit diesen kernigen, immer gut gelaunten, idiotischen Heldenmachos. Lasst euch mal was Neues einfallen. Geht ihr nie vor die Tür, dass ihr nur eine Sorte Mensch für jedes Geschlecht aus dem Hut zaubern könnt? Müsst ihr eine schwache Story mit „weiblichen Reizen“ kompensieren, und auch nur solchen, die sabbernde Nerds anziehen? Himmel...


Der Unterweltkern besteht aus einer Wiese, und in ihrer Mitte befindet sich eine gigantische, bunte...Kuppel. Hier und da sind auch Wasser, ein paar Sträucher und Steine zu finden. Die Folks sind ziemlich kacke, aber man ist ohnehin schnell am Eingang zur Kuppel angekommen. Danach folgt der Kampf gegen den Faery-König alias Lord Penisnase, den mal als Keats bestreiten muss. So gesehen nicht sehr schwer, aber dank der scheiß Folks, die er beschwört, herausfordernd. Okay so, sag ich nichts dagegen.

Dann befinden wir uns tiefer im Unterweltkern, und da Spieledesigner große, große Fans von dunklen Höhlen und Gemäuern sind (vielleicht, weil man im Dunkeln Grafikfehler besser verstecken kann, keine Ahnung), laufen wir hier in dunklen, steinigen Höhlen herum. Wir kloppen uns hier und da durch, herausfordernd, ganz okay so, werden von ultra-nerviger, Synapsen-abtötender Fiedelei fast in den Wahnsinn getrieben (soll das irisch wirken und damit automatisch keltisch? Yay...kommt ganz schön spät, der Versuch, und nervig ist er auch noch) und treffen schließlich auf die Hörnchen-Tusse.


Ich habe alles versucht, diese Tante zu besiegen. Wenn diese Vögel nicht wären, die ständig meine Pläne durchkreuzen, hätte ich sie schon längst platt gemacht. Aber ich sag euch was: Scheiß auf dieses Spiel, danach folgt eh der Endgegner und Ende ist. Ich will ehrlich gesagt gar nicht mehr wissen, was am Ende passiert. Ellen ist als Kind nicht von Elfen, irgendeinem Typ aus dem Dorf oder meinetwegen Lord Penisnase psychisch oder körperlich missbraucht/geschädigt worden, was einen Dachschaden hätte auslösen können. Nein, alle Sorgen, Nöte, sogar das Verhalten der Mutter sind irrational, haben keinen sinnvollen Ursprung. Diese ganzen Toten haben zwar oberflächlich betrachtet einen Zusammenhang, aber die Motive der Taten, die zu ihrem Tod führten, sind selten solide. Das Ende kann nur lausig sein, voller emotionalem Gelaber und ohne Sinn und Verstand. Ich weiß, dass ich das nicht mit Gewissheit sagen kann. Aber Himmel, macht erst mal durch, was ich durch gemacht habe.

Große Frage zum Schluss: Warum.

Warum, liebe Entwickler, geift ihr ein Thema wie die Kelten auf und gebt euch keine Mühe? Wir leben im Internetzeitalter. Ihr müsst nicht mehr in die öffentliche Bibliothek latschen und euch dort durch versiffte alte Bücher wälzen. Innerhalb kürzester Zeit hättet ihr mehr Material, als ihr je in euren Spielen verarbeiten könntet. Stattdessen nehmt ihr das Thema als Aufhänger für eine lahme, uninspirierte, dumme, dumme Story. Ihr gebt euch keine Mühe mit den Charakteren. Wenn ihr nur einmal versuchen würdet, euch hineinzufühlen, könntet ihr eurem Spiel viel mehr Spielspaß und Authenzität verleihen. Stattdessen holt ihr uralte Charakterklischees aus der Trickkiste, macht euch Null Gedanken über Hintergründe und Motive und lasst Plotlöcher offen, durch die ein Todesstern fliegen könnte. Eure Leveldesigns sind nur teilweise interessant. Warum diese rosa, funkelnde Faery-Welt? Gerne Blumen, gerne bunt, aber warum mal nicht mit eigenen Gedanken? Warum mal nicht total verrückt, warum mal nicht total anders? Warum wechselt ihr so schnell in schnödes Grau-Grün und dunkle Ecken? Warum, warum? Warum dieser Zweite-Weltkrieg-Level? Was, liebe Entwickler, hat das bitte mit den Kelten zu schaffen? Die Kelten kannten weder Roboter noch Panzer. Ich weiß, was ihr vorhattet. Ihr wolltet dieses Spiel verrückt und einzigartig machen. Stattdessen wirkt es seltsam und ist großer, großer Käse. Ihr hättet dieses Spiel so belassen können (obwohl das Gameplay durchaus eine große Überarbeitung nötig gehabt hätte), wenn ihr es nicht so verdammt bierernst gemacht hättet. Diese Story ist nicht emotional, tief oder abenteuerlich. Diese Story ist ganz großer Bullshit. Hättet ihr alles ironisch, locker und mit dem einen oder anderen Gag gestaltet, hätte es mir wesentlich besser gefallen und ich hätte über die vielen Klischees hinweg gesehen. Stattdessen versucht ihr mich mit ganz viel „emotionalem“ Zeug bei der Stange zu halten, ebenso wie mit dem „großen Geheimnis“, das wohl in der Endsequenz aufgelöst wird. Liebe Entwickler, ich weiß auch ohne Abspann von der Sache mit Keats und Herve. Außerdem...was im Abspann passiert, hat für mich keinen großen Einfluss auf das Spiel. Macht erst mal die Charaktere sympathisch und das Spiel unterhaltsam, dann lasst euch den großen Knalleffekt für den Schluss einfallen.


Fantasy, ja ja. Populär ist sie, aber nur die wenigsten wissen sie gekonnt rüber zu bringen. Und nächstes Mal schauen wir uns ein Fantasy-Spiel an, bei dem es richtig gemacht wurde.

6.10.08 23:27
 


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